Geld verdienen mit Aktien

Behavioral Finance: Verrückte Stimmung?

Behavioral Finance: Verrückte Stimmung?

So schaut eine Bullenkapitulation wohl eher nicht aus

heißt es zu der folgenden Grafik in der jüngsten Ausgabe Technische Analyse der BayernLB vom 22. Oktober 2009:

Put-Call-Ratio

Quelle: Thomson Datastream, BayernLB

Das niedrige Put/Call-Ratio drückt eine gewisse Sorglosigkeit der Marktteilnehmer aus. Psychologisch ist das nicht verwunderlich. Die Anleger haben sich die letzten Monate an die steigenden Aktienkurse gewöhnt.

Ego-Falle

Wenn unser Gehirn erkennt, dass eine bestimmte Verhaltensweise wiederholt zum gleichen Ergebnis führt, dann leitet es daraus einen gewissen Automatismus ab. Ergo festigt sich der Glaube an weiter steigende Kurse, die Bedenken nehmen ab. Das geht solange gut, bis irgendwann der Trend bricht, der ja bekanntlich ein guter Freund ist, wenn man auf seiner Seite steht.

Die Behavioral Finance kennt die Schwierigkeiten bei der Messung der Börsenstimmung. Zu vielfältig, zu komplex sind die Emotionen, Stimmungen und Reaktionen der Millionen Individuen, die am Börsenzirkus teilhaben. Sentimentindikatoren sind immer nur ein kleines Puzzleteil im großen Bild der Märkte. In Haussen (und Baissen) können extreme Marktzustände länger dauern als man sich vorstellen kann oder man Geld hat.

Kopf oder Zahl?

Sollte man auf die Erkenntnisse der Behavioral Finance verzichten? Nein! Die Psychologie der Marktakteure ist ein wesentlicher, wenn nicht sogar der wichtigste Faktor an den Börsen. Man sollte nur wie bei allen Methoden die Kirche im Dorf lassen und dankbar sein, wenn man die Erfolgswahrscheinlichkeit ein wenig zu seinen Gunsten verschieben kann. Ein kluger Herr sagte einmal 51% Erfolgswahrscheinlichkeit reichen ihm. Andere liegen sogar bei drei Trades zweimal daneben und verdienen trotzdem dank einem ausgeklügelten Positionsgrößen und Money Management.

Die wenigsten Anleger können es (verständlicherweise) ertragen, in der Mehrzahl der Anlageentscheidungen falsch zu liegen. Also hält man an seinen Verlustpositionen fest und hofft, dass wenigstens der Einstandspreis wieder erreicht wird. Wohin der Glaube und die Hoffnung allein an der Börse führen, ist bekannt.

Realitätsabgleich, der Blick aufs Konto

Wer darauf nicht sofort eine Antwort weiss, sollte die Strategie schnellstens überdenken oder den Berater wechseln. Ein „harter Indikator“, das etwas nicht optimal läuft, könnte der objektive Blick auf den Depotstand sein. Wer in der Aktienbaisse 2000/03 starke Verluste erlitten hat, sollte bis heute durch gelegentliche Umschichtungen längst den Höchststand des Aktiendepots vor der Baisse 2000 übertroffen haben.

Schreibe einen Kommentar