Geld verdienen mit Aktien

Die Crux mit den Limiten

Die Crux mit den Limiten

Manchmal wie verhext

Wer kennt das nicht: Ist das Kauflimit zu niedrig angesetzt, sprinten die Aktien auf und davon. Setzt man es zu großzügig oder gar keins, steigen die Aktien ein wenig und fallen dann. Es ist wie verhext. Ähnlich verhält es sich beim Stop-Loss. Die Aktie fällt kurz darunter. Nachdem der Wert ausgestoppt wurde, startet der Titel durch – ohne den Anleger. So etwas passiert immer wieder. Leider gibt es kein Patentrezept. Ich handle jetzt seit rund fünfundzwanzig Jahren an den Märkten und habe akzeptiert, dass das zum Geschäft gehört. Wo gesägt wird (investierten / traden), da fallen Späne (unglücklich ausgestoppt oder durchgestartet ohne mich). Dazu erreichte mich folgender Leserbrief:

Sehr geehrter Herr Aschoff, warum werden bei Ihren guten Tipps die Limits zum Einstieg (Kauf) immer so niedrig gesetzt, dass wir dann bei den wirklich guten Titeln nicht mehr zum Zug kommen. Habe da ein mentales Problem oder als Laie wahrscheinlich die falsche Denkweise. Wenn ein Titel doch als gut eingestuft wird uns Sie zu einer Empfehlung raten. Dann kann der Titel doch gleich gekauft werden, da er ja steigen soll. Das er erst einmal zum Kauf sinken soll ist für mich innerlich ein Widerspruch.  Falls Titel wie z.B. GoYellow, einige ETFs, Hugo Boss u.a. wie erhofft steigen –  ist das doch auch eine gute Gewinnspanne. Ich ärgere mich dann immer das Ihre (wirklich guten Tipps) eintreffen aber durch nicht erreichen des niedrigen Kauf-Limits dann nicht gekauft werden. Sollte man bei einigen Titeln nicht gleich kaufen – ein Stop Loss wird ja trotzdem platziert. Besten Dank im Voraus für Ihre Antwort.  Mit freundlichen Grüssen…

Verpasste Chancen gehören dazu

Vielen Dank für Ihre Nachricht und die netten Worte! Der Verfasser hat bestimmt nicht die falsche Denkweise wie er schreibt. Es gibt eben keine optimale Lösung. Er spricht vielen Lesern aus der Seele. Mir geht es ähnlich. Auch wenn ich mich nicht mehr so darüber ärgere, ist es schon schade. Wenn ich nach stundenlanger Recherche endlich einen Wert gefunden habe, den ich guten Gewissens empfehlen kann, schmerzt es schon, wenn er uns um wenige Cent entwischt und dann abhebt. So wie beispielsweise geschehen bei Asian Bamboo oder Go Yellow.

Asian Bamboo

Go Yellow Media

Unterm Strich zählt

Wenn ich die Charts so betrachte…Früher hätte ich einen größeren Gegenstand aus dem Fenster geworfen. Heute weiss ich, dass erkannte, aber entgangene Gelegenheiten dazu gehören. Dem Vermögensaufbau hat es nicht geschadet. Auch wenn das immer wieder passiertes schadet nicht. Solange der Erwartungswert der verfolgten Strategie positiv ist, ist es gar nicht so schwer die Mehrheit der Anleger (und Profis) zu übertreffen. Dazu gehören Geduld, Durchhaltevermögen und Disziplin.

Betrachten Sie den Chart. Wer im Schnitt auf deutsche Aktien (DAX) gesetzt hatte, hat bis heute nichts verdient und vermutlich mehr als nur seine Nerven verloren:

DAX 10 Jahre

Abbildung: 10-Jahres-Chart des DAX. Bezogen auf den DAX heißt das: Anleger, die eine Kaufen-und-Halten-Strategie die letzten zehn Jahre verfolgt hatten, haben weniger als 6 Prozent Gewinn erzielt. Jedes Sparbuch brachte mehr.

Trotz vieler „Unzulänglichkeiten“ (verpasste Chancen, kaum Umschichtungen, keine CFDs und andere wahnsinnig gehebelte Produkte, lange Zeit nur „langweiliges“ Cash usw.) haben unsere Strategiedepots besser abgeschnitten.

Nun zu den Details im Leserbrief:

  • Ich kann die Zukunft des empfohlenen Wertes nicht vorhersehen. Es handelt sich nur um Wahrscheinlichkeitsüberlegungen.
  • Deshalb muss ich ein Scheitern einkalkulieren. Mein bewährtes Hilfsmittel dafür: ein (mentales) Stop-Loss.
  • Wo setze ich es? Da gibt es keine allgemeingültige Lösung. Ich suche z. B. nach markanten Unterstützungszonen. Im zweiten Schritt erfolgt ein Abgleich auf Gesamtdepotebene (Positionsgröße).
  • Steige ich sofort in eine laufende Bewegung ein, riskiere ich bei einem Fehlschlag relativ viel zu verlieren. Da die Unterstützungszone weiter entfernt liegt. Läuft der Markt jedoch hoch, werde ich belohnt (Bsp. Asian Bamboo). Das weiss ich jedoch erst hinterher. Viele Analysten (sowohl Fundamentalisten wie auch Techniker), Experten, TV-Sprecher und andere Gurus können ex post alles hervorragend erklären, tappen aber anscheinend vorher im Dunkeln. Oder warum beziehen die meisten Analysten lieber ein regelmäßiges Gehalt von ihrem Arbeitgeber als von den eigenen Prognosen als freier Unternehmer leben zu können?
  • Aktien neigen sehr wohl zu „Schwüngen“. Selbst wenn man auf eine starken Anstieg setzt, kann das Kauflimit tiefer gesetzt werden, um das Chance- / Risikoprofil zu verbessern. Bei Leoni oder Continental hat es wunderbar funktioniert. Natürlich kann man unlimitiert hineinspringen und sehr erfolgreich dabei sein. Das Risiko ist höher.

Es gibt weitere Pros und Contras, aber ich möchte es dabei belassen. So wie es nicht DIE richtige Lösung gibt, ist der springende Punkt: Kann das Vermögen nachhaltig gesteigert werden, ohne zwischendurch Haus und Hof zu verwetten? Stammleser kennen meine Antwort dazu.

2 Kommentare
  1. Dem professionellen Trader ist immer an einer Minimierung des Risikos gelegen, selbst wenn der Profitfaktor leicht darunter leidet!

  2. Dem kann ich nur beipflichten. Ist erst einmal ein großer Teil des Anlagekapitals verloren, bedarf es fast übermenschlicher Kräfte. Nicht nur der Basiseffekt, sondern auch die emotionale Belastung darf nicht unterschätzt werden. Sehr schnell droht dann das finanzielle Aus.

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