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Märkte vor Entscheidung

Richtungsänderung in der EZB-Notenbankpolitik und neue Rettungspakete als Meilenstein für die Märkte

Wichtige Ereignisse haben den Charme, der Befindlichkeit der Märkte auf den Zahn zu fühlen. Handelt es sich gar um Pivotereignisse wie es der legendäre Spekulant Jesse Livermore formulieren würde, kann bei richtiger Interpretation der Grundstein für außergewöhnliche Gewinne gelegt werden. Aus diesem Grund möchte ich einen Auszug aus meinem Börsendienst letzter Woche wiedergeben:

Sehr geehrte Damen und Herren,

die letzten zwei Wochen hatten es in sich. Erst erleben wir den historisch schnellsten Crash an der Wall Street, gefolgt von einer beispiellosen Erholung, die von hektischen Aktivitäten der wirtschaftspolitisch führenden Nationen begleitet werden. Dann sprießen wieder einmal die „Ich-habe-es-schon-immer-gewußt-Experten“ und Crashpropheten wie Pilze aus dem Boden, die Profit aus der Angst verunsicherter Anleger schlagen wollen. Ein Trauerspiel.

Lassen Sie uns ganz nüchtern die wesentlichen Fakten auf den Punkt bringen:

  1. Der 1000-Punkte-Crash an der Wall Street hat innerhalb von nur 30 Minuten zu einer wünschenswerten Bereinigung der Märkte geführt. Zahlreiche Spekulanten und Zocker wurden intraday extrem unglücklich ausgestoppt. Dafür benötigen die Märkte sonst Wochen bis Monate. Gut, dass wir […] verwenden. Deshalb konnte uns das Treiben nichts anhaben. Weltweit wurden Milliarden in wenigen Minuten pulverisiert. Wir konnten Urlaub machen, ohne Geld zu verlieren.
  2. Die Regierungen zeigen mit ihren keynesianischen Rettungsmaßnahmen, dass sie weiterhin die Märkte um jeden Preis stützen wollen. Vereinfacht ausgedrückt: es wird Geld gedruckt. Wir erleben eine Neuauflage der Rettungsmaßnahmen a’la Finanzmarktkrise 2008. Die keynesianisch angehauchten Stützungsmaßnahmen gibt es nicht umsonst und fordern in der Zukunft ihren Tribut. Interessierten Lesern empfehle ich, mit den Stichworten Keynesianismus und Monetarismus ein wenig zu googeln. (Eine kleine, nicht repräsentative Auswahl an Internetadressen habe ich am Ende dieser Ausgabe beigefügt).
  3. Die EZB weicht von ihrem stabilitätspolitischen Kurs ab und ist bereit, Ramschanleihen hoch verschuldeter Staaten (z.B. Griechenland) als Sicherheit mit bester Bonität zu akzeptieren. Ohne auf weitere Details und weitere „Geldschöpfungsmöglichkeiten“ einzugehen: hier findet gerade ein historischer Wechsel in der EZB-Politik statt! Damit begibt sich die EZB in die Fußstapfen der US-Notenbankpolitik, wogegen sie sich jahrelang gesträubt hat. Die Konsequenzen sind bekannt (siehe Punkt 2).
  4. Die wirtschaftpolitische Verdummungs-Kommunikationspolitik geht weiter. Für wie intelligent halten uns die Entscheidungsträger, dass wir glauben sollen, mit einer rotierenden Gelddruckmaschine und ungezügelter Ausgabenpolitik (Staats- und Konsumenten-verschuldung) geht es ewig munter weiter? Die beste Medizin kann Schaden anrichten, wenn die Dosis zu groß ist. Irgendwann wird irgendjemand, irgendwo auf der Welt den Preis dafür bezahlen.
  5. Erwarten Sie bitte nicht, dass man in öffentlichen Verlautbarungen objektiv die Vor- und Nachteile der verfolgten Maßnahmen darlegt. Ich kann das sogar verstehen. Psychologie ist ein wichtiger Bestandteil jeder Politik. Achten Sie auf die Taten und nicht auf die Beteuerungen. Ein Beispiel: die EZB überschlägt sich in den letzten Tagen mit Erklärungsversuchen, warum deren jüngste Unterstützungsmaßnahmen nicht die wirtschaftliche Stabilität gefährden. Ich kann mich nur wiederholen und auf die Fakten verweisen. Verfolgen Sie die Entwicklung genau (ich tue es auf jeden Fall).

Wie geht es nun weiter?

Dank unserer ausgeklügelten Stop-Loss-Systematik konnte uns das wilde Treiben der letzten Wochen nichts anhaben. Im Gegenteil, einige Werte haussieren sogar!

Leider kenne ich nicht die Zukunft, aber das brauche ich auch nicht. Die einschneidenden Ereignisse und Maßnahmen der letzten Wochen haben das Potential, ein Prüfstein für die weitere Entwicklung der Märkte zu sein. Konkret: ich versuche jetzt nicht die Märkte zu prognostizieren, sondern warte geduldig ab, für welche Richtung sie sich entscheiden werden. Natürlich mache ich mir meine Gedanken dazu, aber das spielt für den Markt keine Rolle.

Noch ist der Kampf nicht entschieden. Nachdem sich der Markt erholt hat, setzten zum Wochenschluss starke Verkäufe ein. Ich vermute, wir werden nicht lange auf die Entscheidung warten müssen. Deshalb aktuell keine neuen Depottransaktionen. Mit den bestehenden sind wir optimal aufgestellt und können gelassen das weitere Treiben verfolgen.

Eine kleine Auswahl an Internetlinks zu den besprochenen Themen:

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