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Heiko Aschoff's Börsenblog

Starke Trends mit Fundament – so gehe ich vor

Starke Trends mit Fundament – so gehe ich vor

LUNRO Kursverlauf plus Fundament

Für den Newsletter compact (11/2010) vom 28. Oktober hatte ich erläutert, wie man mit Hilfe einer systematischen Vorgehensweise vielversprechende Aktien aus einem großen Anlageuniversum herausfiltert und in einen Trade umsetzt. Natürlich habe ich in meinem “Trader-Werkzeugkasten” weitere Tools parat. Nachfolgend können Sie die ungekürzte Version lesen:

Eine fundamentale Einschätzung muss immer von der Technischen Analyse bestätigt werden, meint Heiko Aschoff, Geschäftsführer der Investment Ideen GmbH (www.Investment-Ideen.de und Institutionell.info). Der 44jährige Diplom Kaufmann war als Banker und Pensionsfondsmanager mitverantwortlich für über sieben Milliarden Euro Anlagevolumen. Dazu gehörten die Ärzteversorgung Westfalen-Lippe, die Ärzteversorgung des Landes Brandenburg und die Versorgungseinrichtung der Mitglieder des Landtags NRW. Er schult regelmäßig an den Bankakademien in Münster, Hannover und Köln Banker im Wertpapiergeschäft. Seine Gedanken schildert er im Börsenblog www.trading4living.de.

Starke Trends mit Fundament

Eine viel versprechende Aktie sollte nicht nur durch ihr gutes Zahlenwerk glänzen, sondern auch durch Kurssteigerungen. Wenn eine fundamental attraktive Aktie fällt, ist Vorsicht angebracht. Kurse bewegen sich in Trends. Menschen verhalten sich in der Masse sehr ähnlich. Viele fühlen sich nur dann wohl, wenn ihre Meinung vom Kursverlauf bestätigt wird. Ein Trend setzt sich mit höherer Wahrscheinlichkeit fort, als dass er sich umkehrt.

Die Geduld auf den richtigen Augenblick zu warten, entscheidet über den Erfolg. Wenn die Märkte korrigieren oder sich in einer Baisse befinden, fallen zwangsläufig die meisten Titel. Dann ziehe ich es vor, mein Geld in Sicherheit zu bringen und den Markt von der Seitenauslinie aus zu beobachten. Ich warte geduldig, bis sich das Börsenwetter wieder aufhellt. Dann schlage ich zu.

Meine Methodik lässt sich genauso bei fallenden Märkten anwenden, aber ich setze lieber auf steigende Kurse. Das passt zu mir. Die beste Anlagestrategie nützt nichts, wenn man sich dabei nicht wohl in seiner Haut fühlt.

Wie gehe ich vor?

Es bietet sich eine unüberschaubare Vielfalt an Aktien und Analysemöglichkeiten. Schnell kommt die Phase, wo man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht. Die zur Verfügung stehenden Informationen und Datenmengen sind zeitlich einfach nicht mehr zu bewältigen – es sei denn, man schränkt das betrachtete Anlageuniversum stark ein oder legt sich eine eigene Investmentbank zu. Die letztgenannte Variante dürfte die Belastbarkeit des Geldbeutels überstrapazieren, die erste Variante die lukrativen  Gelegenheiten einschränken. Aber es gibt dennoch eine ausgezeichnete Analysemöglichkeit, die für jedermann erschwinglich ist und bei richtiger Anwendung wertvolle Entscheidungsgrundlagen bereitstellt.

Gemeint ist das „screenen“ von Aktien. Aus einem definierten Anlageuniversum werden nach festen Kriterien Aktien selektiert. Dabei können Fundamentaldaten wie auch technische Analysetools verwendet werden. Der große Vorteil besteht darin, enorme Datenmengen nach einheitlichen Maßstäben aufzubereiten, die der Investor für wichtig erachtet. Das Ergebnis sind überschaubare Aktienlisten als Anregung für Investmententscheidungen. Man kann den Prozess derart verfeinern, dass daraus umfassende Anlagestrategien entstehen. Die CANSLIM-Methode von O´Neil oder die in O`Shaugnessys Buch „Die besten Anlagestrategien aller Zeiten“ genannten Verfahren sind erfolgreiche Beispiele dafür.

Aber es muss gar nicht so kompliziert sein. Schon einfache Aktienscans liefern wertvolle Hinweise, wo etwas passiert und es sich lohnen könnte, genauer nachzuschauen. Die populäre Suche nach 52-Wochen-Hochs, Umsatzspitzenreitern oder Volatilitätsausbrüche sind nichts anderes als eine besondere Form des Aktiensceenings.

Halten Sie es einfach

Entscheidend ist, dass die verwendeten Kriterien nachvollziehbar sind und dem Anwender bewusst ist, auf welchem theoretischen Fundament sie stehen. Wer die Relative Stärke als Selektionskriterium verwendet, sollte an die Existenz von Trends glauben. Dagegen dürfte ein überzeugter „Random Walk Verfechter“ Probleme damit haben. Je besser das verwendete Analyseinstrumentarium mit der eigenen Anlegermentalität harmoniert, desto größer sind die Erfolgsaussichten: Nur wenn das Vertrauen da ist, wird man in kritischen Börsenzeiten nicht all seine guten Grundsätze über Bord werfen. Lassen Sie nicht zu, dass der Spruch „diesmal ist alles anders“ zum kostspieligen Eldorado wird.

Natürlich sind Aktienscans nicht der heilige Gral der Geldanlage. Jedes Screening ist nur so gut, wie die angewandten Parameter realistische Aussagen über den weiteren Kursverlauf zulassen. Aber auch falsche Daten, unseriöse Aktienpushereien, eine niedrige Marktkapitalisierung oder fehlende Börsenumsätze können zu Fehlinterpretationen führen. Deshalb empfehle ich dringend, die selektierten Favoriten immer einer Detailanalyse zu unterziehen. Ein konsequentes Money und Positionsgrößenmanagement sind absolute Pflicht. Verluste müssen begrenzt werden, Gewinne dürfen weiterlaufen.

Ein Blick in die Traderkiste

Werfen wir einen Blick in die Trader-Toolbox und wählen einen Aktienscan, der

  • Aktien mit einem starken Aufwärtstrend identifiziert,
  • die auf hohem Niveau konsolidieren
  • und bereit zum Sprung sind.

Schauen wir uns die Bedingungen genauer an: Trends lassen sich mit vielen Techniken identifizieren. Ob gleitende Durchschnitte, Momentumindikatoren, Verfahren zur Messung der Relativen Stärke oder die Dow Theory – Hauptsache der Wert bewegt sich im betrachteten Zeitfenster von links unten nach rechts oben im Chart. Nach einem starken Kursschub möchte ich bei diesem Aktienscan sehen, wie stabil die Phase danach verläuft. Bricht der Wert ein, weil zittrige Anleger Gewinne mitnehmen, oder fangen starke Hände den Wert auf? Wenn die Konsolidierung stabil verläuft, sollte sich bald Aufwärtsdrang entwickeln. Der Ausbruch aus der Konsolidierungszone verläuft umso dynamischer, je länger diese dauert und je niedriger das Volatilitätsniveau. Also, bereit zum Sprung! Was verstehe ich darunter?

Das Gesetz der Volatilität

Neben der Trendstruktur ist die Volatilität, oder besser deren Niveauveränderung, für mich ein extrem wichtiges Puzzleteil bei der Kursprognose. Die Volatilität misst die Intensität der Schwankungen eines Wertpapierkurses um den eigenen Mittelwert. Sie ist eine Risikokennzahl. Je höher die Volatilität, desto größer ist die Abweichung. Die Erfahrung lehrt, dass nach einer „Phase der Ruhe“ immer eine „explosive Phase“ mit steigender Volatilität folgt.

Anhand der weit verbreiteten Bollinger Bänder möchte ich Ihnen eine Möglichkeit vorstellen, wie Sie Aktien finden können, die Spannung aufgebaut haben und bereit zum Sprung sind. Bollinger Bänder versuchen die Kurse mit Hilfe einer oberen und unteren Begrenzung einzufangen. Sie nutzen dazu ein Phänomen, das aus der Statistik bekannt ist. Die meisten Werte befinden sich immer in der Nähe des Mittelwerts. Darum streuen einige Ausreißer nach oben und unten. Gauß hat dies mit seiner Normalverteilungsfunktion in eine mathematische Form gegossen. Der Mittelwert wird durch einen Gleitenden Durchschnitt dargestellt und um diesen Gleitenden Durchschnitt wird eine Standardabweichung definiert. Die Standardabweichung misst die durchschnittliche Abweichung vom Kurs.

Das obere Bollinger Band ist nun der Gleitende Durchschnitt plus die Standardabweichung, das untere Band der Gleitende Durchschnitt minus der Standardabweichung. Wenn die Standardabweichung zunimmt, wird der Korridor zwischen den Bändern immer größer. Der Indikator reagiert damit auf eine zunehmende Volatilität. Achten sie auf extreme Verengungen der Bänder bzw. extreme Tiefpunkte der Bandbreite (im unteren Chartfenster).

Abbildung eins: im oberen Teil des Commerzbank-Charts ist die Wellenbewegung der Bollinger Bänder entlang der Kurse gut zu erkennen. Achten Sie auf die Verengungen und Ausweitungen. Zur Verdeutlichung habe ich im unteren Teil den Abstand der Bänder zueinander abgetragen. Es wechseln sich enge und weite Phasen als Ausdruck der Volatilität ab. Dieses Wechselspiel nutze ich für Spekulationszwecke. Quelle: Aschoff, Aktienanalyse für jedermann, Beck Wirtschaftsberater; Chartprogramm Market Maker

Der zweite Streich

In einem zweiten Schritt nehme ich aus den selektierten Kandidaten diejenigen näher unter die Lupe, wo die Börsenumsätze die Kursentwicklung untermauern. Gibt es Hinweise auf einen größeren Käufer? Sind Institutionelle Gelder im Spiel? Wo liegen Widerstandslinien, wo Unterstützungen, die jeder leicht sehen kann?

Im Idealfall ist die Aktie fundamental solide untermauert. Ein Blick auf das Kurs-Umsatz-Verhältnis und Kurs-Gewinn-Verhältnis ist obligatorisch. Verfügt das Unternehmen über eine spannende Story, die die Fantasie der Anleger und Börsenmagazine beflügelt? Stehen Ereignisse bevor (z.B. Quartalszahlen), die als Katalysator für einen Kursschub wirken könnten?

Der Analyseprozess hört sich aufwändiger an als er ist. Nach jahrelanger Anwendung und Verfeinerung gehen die Schritte ins Blut über. In weniger als einer Stunde kann der gesamte Prozess von der Titelsuche bis zur Orderaufgabe erledigt werden. Übung macht den Meister. Der Computer übernimmt die Löwenarbeit. Ein geschulter Blick auf die Charts der selektierten Favoriten dauert nur Sekunden. Die Suche nach den wesentlichen Fundamentaldaten einige Minuten. Dann das Kaufniveau, Stop-Loss und Mindestkursziel ermitteln. Die Positionsgröße mit dem Gesamtdepot abstimmen. Order platzieren. Fertig.

Ein Blick auf MDAX, SDAX und TecDAX

Dank der jüngsten „Kaufpanik“ an den Märkten filtert uns der beschriebene Aktienscan nur eine handvoll Werte heraus. Bis Mitte Oktober gab es wesentlich mehr Kandidaten. Das liegt daran, dass nur Titel berücksichtigt werden, die kurzfristig nicht heiß gelaufen sind. Ziel ist es, möglichst risikoarm zu Beginn eines sich entwickelnden Aufwärtsimpulses einzusteigen. Ein aktueller Kandidat ist Tipp24. Zwar gerade ausgebrochen, aber mit weiterem Potential.

Abbildung zwei: Ein junger Aufwärtstrend hat sich bei Tipp24 etabliert. In der unteren Charthälfte verlaufen zwei Indikatoren, welche elementare Kräfte beschreiben: die Trendintensität und Volatilitätsintensität (ganz unten). Ohne Trends könnten wir keine Wahrscheinlichkeitsaussagen über zukünftige Kursbewegungen treffen. Wären alle Kursschwankungen rein zufällig, sind Prognosen sinnlos. Bei Tipp24 ist die Volatilitätsintensität extrem niedrig. Eine gute Voraussetzung für einen dynamischen Trendschub. Stand 22.10.2010.

Trendintensität bei Tipp24 im „grünen Bereich“

Die Trendintensität ist eine Kombination aus Trendfolger und Oszillator. Sie gibt einen Anhaltspunkt, wie stark ein Handelsobjekt bereits gestiegen bzw. gefallen ist (grüner Bereich = Aufwärtsschub; roter Bereich = Abwärtsschub). Immer dann, wenn die Trendintensität ein Maximum erreicht, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Kurse verschnaufen oder korrigieren. Kleine Spitzen sind nicht so wichtig. Achten Sie auf die großen Spitzen.

Abwärtstrend geknackt


Abbildung drei: Abwärtstrend ade. Kommt es zu einem Pullback, Fehlausbruch oder zieht die Aktie in dem bullischen Marktumfeld gleich durch?

Ein weiterer Pluspunkt ist der gebrochene langfristige Abwärtstrend. Das lässt Trader und Analysten aufhorchen. Bedenken Sie bei Ihren Anlageentscheidungen wie andere auf solche Ereignisse reagieren könnten, und positionieren Sie sich entsprechend.

Spannende Story

Die Vermittlung von staatlichen Lottoangeboten im Internet wurde Anfang 2009 in Deutschland vom Gesetzgeber verboten. Ein wichtiger Absatzmarkt brach für Tipp24 weg. Die Aktie kollabierte. Nachdem der Europäische Gerichtshof jüngst das Wettmonopol des Staates bei Sportwetten und Lotterien Anfang September gekippt hat, haben sich schlagartig die Perspektiven aufgehellt. Die Story hat Substanz und ist wie geschaffen für Börsenmagazine. Kursfantasie eben.

Fazit

Die Chancen stehen gut, dass der Online-Wettanbieter technisch und fundamental besseren Zeiten entgegensieht. Zwar ist der neue Aufwärtstrend jung und zerbrechlich, aber in dem frühen Stadium umso chancenreicher. Ein Einstieg bietet sich risikobereiten Anlegern auf dem jetzigen Niveau um die 28 Euro an. Geduldige Anleger spekulieren auf einen kleinen Pullback in Richtung des gebrochenen Abwärtstrends. Einen engen Initialstopp würde ich unter 27 Euro auf Tagesschlusskursbasis setzen. Kalkulieren Sie eine Verschnaufpause bei etwa 30 Euro sowie in der Nähe des Allzeithochs bei 32/33 Euro ein. Danach ist der Weg frei. Die Aktie ist markteng. Bitte immer mit Kauflimit ordern. Viel Erfolg!

Stand der Analyse 22.10.2010.

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