Geld verdienen mit Aktien

Informationsdiät als Renditeturbo

Informationsdiät als Renditeturbo

Unnützes Wissen

Noch nie konnte man so leicht an Wissen kommen wie heute. Die Kehrseite der Medaille ist, es gab noch nie so viele unnütze Börseninformationen. Ein Blick über den großen Teich offenbart, was mit unserer Medienlandschaft noch alles passieren kann. Entertainment, reißerische Schlagzeilen und Nachrichtenstakkato.

Börsenentertainment

Ich möchte die Medien nicht schlecht reden. Sie erfüllen eine wichtige Funktion. Der Anleger muss sich nur im Klaren darüber sein, das Wesentliche aus der Informationsflut herauszufiltern. Wer glaubt, jede Nachricht verfolgen zu müssen, verschwendet wertvolle Zeit. Warum sollte in jeder neuen Information die entscheidende Börsennachricht schlummern? Selbst wenn es so wäre, könnte man sie richtig interpretieren und daraus einen finanziellen Nutzen ziehen? Ein hoher Anspruch.

Analyseparalyse bis Aktionismus

Einige Studien kommen zu dem Schluss, dass ein Zuviel an Informationen der Rendite sogar schadet. Ich kann das aus eigener Erfahrung bestätigen. Als Pensionsfondsmanager kam es mir sehr entgegen, überwiegend mittel- bis langfristige Anlageentscheidungen zu treffen. Dabei war es wichtig, sich auf die wesentlichen Erfolgsfaktoren zu beschränken und sich von der Nachrichtenflut nicht vom Weg abbringen zu lassen. Was sich leicht anhört, war es ganz sicher nicht.

Als ich später auf eigene Rechnung handelte und mehr Zeit fürs Trading verwendete, konnte ich viele kurzfristige Ansätze intensiv erproben und umsetzen. Der Arbeitsaufwand stieg deutlich an, aber die Erträge leider nicht in dem erwarteten Umfang. Mit circa siebzig Prozent Zeitaufwand fürs reine Trading erzielte ich etwa zwanzig Prozent meiner Erträge. Das war inakzeptabel für mich. Hinzu kam die nervliche Beanspruchung, die Trading mit sich bringen kann.

Eine Frage der Präferenzen

Natürlich ist alles auch eine Frage der persönlichen Vorlieben, Fähigkeiten und gewünschten Lebensplanung. Was bei dem Einen funktioniert, kann bei einem Anderen im Fiasko enden. Ich bin froh, im mittel- bis langfristigen Zeitfenster meiner Aktienleidenschaft nachgehen zu können. Heute erziele ich in einem Viertel meines Zeitbudgets über achtzig Prozent der Erträge.

Trading ist kein Kindergeburtstag

Trading ist knallhartes Geschäft. Je kürzer der Zeithorizont beim Trading, desto größer die Herausforderung. Ich ziehe meinen Hut vor allen, die im Daytrading länger als fünf Jahre überleben und (nachprüfbar bitte!) gut davon leben.

Feintuning, Training oder Vergnügen

Ich trade nur noch, um den Einstieg in eine mittel- bis langfristige Position zu optimieren oder zum Vergnügen bzw. Training. Beim Trading bekomme ich sehr schnell die Rückmeldung, ob ich richtig oder falsch liege. Ein unschätzbarer Vorteil für schnelle Lerneffekte. Beim Investieren merke ich dagegen erst später, ob sich das Sitzfleisch auszahlt. Dort sollte man sich sehr sicher sein, dass man mit hoher Wahrscheinlichkeit richtig liegt.

Konzentration auf das Wesentliche

Neben den eigenen Fähigkeiten, der Leidenschaft und dem Wissensdurst, ist es in unserer Informationsgesellschaft wichtig, Unnützes von Sinnvollem zu trennen. Eine Informationsdiät ist nicht nur empfehlenswert in Geldangelegenheiten. Ich empfinde es als befremdlich, vielleicht liegt es an meinem fortgeschrittenen Alter, wenn sich Menschen verabreden, aber jeder am Tisch mit seinem Smartphone beschäftigt ist, statt mit seinem Gegenüber.

11 Kommentare
  1. Hallo Herr Aschoff,

    ich fühle mich immer wieder mal „ertappt“, wenn es um Börse und Anlage geht, so wie in diesem Artikel von Ihnen. Treffender könnte ich es nicht beschreiben, was ich in meinen bisherigen 15-jährigen Börsenzeiten (vom Trading bis zum Investieren erlebt habe). Seit ich beim Investieren angekommen bin und nur noch mit geringem Kapitaleinsatz mal auch einen mini future handele, läuft es bei mir gut.Ich kann jedem Kleinanleger Ihre Artikel und Kommentare zum Lesen und Lernen empfehlen.

    Mit freundlichen Grüßen

    Helmut Stanzel

  2. Hallo,
    das Trennen zwischen wichtigen und unwichtigen Informationen ist – gerade für „Anfänger“ wie mich – oft nicht wirklich einfach und man hält alle Informationen für relevant und versucht alles mitzubekommen, um optimal vorbereitet zu sein. Doch viele Informationen sind tatsächlich wirklich nicht wichtig und man setzt sich einem ständigen Druck aus. Ich bin aber optimistisch, dass sich diese Verbissenheit mit mehr Erfahrung und Souveränität verbessert!
    Viele Grüße,
    Axel

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