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Heiko Aschoff's Börsenblog

Rebound-Trading

Rebound-Trading

Herausforderung Rebound-Trading

Rebound-Trading gehört zur Königsdisziplin beim Trading. Der Reiz liegt in den schnellen Gewinnen gegen den Trend. Darin liegt auch die Gefahr: steigt man zu früh ein, wird einem das Fell über die Ohren gezogen! Darum sollten sich nur sehr erfahrene Trader im Rebound-Trading versuchen.

Abbildung oben: so sieht Panik aus! Die rote Spalte zeigt die prozentualen Kursverluste im nachbörslichen Handel am 29.9.2008. Die US-Börsen waren ebenfalls tiefrot. Solche exzellenten Voraussetzungen für Rebound-Trading haben Seltenheitswert. Weniger extrem reicht. Quelle: Lang & Schwarz Wertpapierhandel Ag

Explosive Gegenbewegungen

Kein Markt fällt ewig. Regelmäßig kommt es zu starken Gegenbewegungen. Prozentual zweistellige Kursgewinne innerhalb weniger Tage oder gar Stunden sind möglich. Ohne gründliche Vorbereitung läuft nichts. Nur wer im Vorfeld seine Hausaufgaben gemacht hat und diszipliniert vorgeht, kann die sich bietenden Chancen nutzen. Ansonsten besteht die Gefahr, von den Marktturbulenzen aufgefressen zu werden. Rebound-Tage sind meist wilde Börsentage, die den Verstand vernebeln und die Mehrheit der Anleger aufs Glatteis führen.

Worauf sollte man achten?

Die Märkte und Rebound-Kandidaten sollten bereits über mehrere Tage heftige Kursverluste erlitten haben. Im Idealfall befinden sich beide in einem extrem überverkauften Zustand. Achten Sie darauf, dass keine schlechten fundamentalen Nachrichten für den Kursrutsch bei ihren Rebound-Favoriten verantwortlich sind. Das ist sehr wichtig. Es geht darum, temporäre emotionale Schieflagen der Marktteilnehmer auszunutzen, die sich bald wieder normalisieren. Haben Sie es richtig angepackt, ist das ihr schneller Gewinn!

Wie könnte ein Regelwerk für Rebound-Trading aussehen?

Je nach Risikoneigung und Tradingvorlieben gibt es unzählige Möglichkeiten. Alle sollten jedoch folgende Kriterien erfüllen:

  • Der Gesamtmarkt ist in Aufruhr und sollte seit mindestens zwei Tagen kräftig verloren haben. Falls Sie vornehmlich deutsche Aktien handeln, ist es von Vorteil wenn die US-Börsen am Vorabend (nachbörslich) in Folge schwach geschlossen haben.
  • Die Marktteilnehmer sind emotional aufgewühlt. Angst macht sich breit.
  • Einzelne Aktien fallen wie ein Stein, ohne das fundamentale Gründe vorliegen.
  • Kursverluste über mehrere Tage summieren sich auf wenigstens 20 Prozent. Die Titel sind extrem überverkauft.

Ein idealer Rebound-Trading-Tag

Wie könnte ein idealer Rebound-Trading-Tag für einen Anleger aussehen, der bevorzugt an den heimischen Börsen deutsche Aktien handelt?

1. Gesamtmarktebene

  • Der Markt muss wenigstens zwei Tage in Folge heftig korrigiert haben.
  • Es liegt eine überverkaufte Situation vor.
  • Die US-Börsen korrigieren ebenfalls und haben am Vorabend schwach geschlossen.
  • Der Markt kommt gleich zur Eröffnung unter Druck.
  • Die Krönung wäre ein Down-Gap (nicht erforderlich).

2. Einzeltitelebene

  • Selektieren Sie liquide Aktien, die in den letzten Tagen schon prozentual zweistellige Kursverluste erleiden mussten (ohne fundamentale Gründe!).
  • 20 bis 40 Prozent Verlust sollten es schon sein. Je extremer, desto besser. Stellen Sie sich ein gespanntes Gummiband vor. Je stärker es gedehnt wird, desto stärker die Gegenbewegung.
  • Werfen Sie einen Blick auf den Chart. Je furchterregender der Absturz, desto besser. Achten Sie auf ungewöhnlich große Verkaufsorder, mangelnde Geldseiten, markante psychologische Kursmarken und offensichtliche Stop-Loss-Zonen, die massenweise ausgelöst werden (können).

Auf der Lauer – die Umsetzung

  • Der Handelstag beginnt. Die Märkte sind uns gnädig und eröffnen schwach. Wir haben Glück, alle oben genannten Vorbedingungen sind erfüllt.
  • Sie sind vorbereitet und haben ihre zusammengestellte Realtime-Kursliste mit liquiden Rebound-Kandidaten fest im Blick.
  • Sie schlagen zu, sobald die titelspezifischen Kriterien erfüllt sind und der Rebound-Titel zu einem panischen Ausverkauf ansetzt (z.B. durch massenweise ausgelöste Stop-Loss-Limite).

Abbildung oben: Mein „Schmierzettel“ vom 29.9.2008 mit Rebound-Kandidaten für den Folgetag.

Denken Sie an den Rettungsschirm!

  • Sie handeln risikobewusst und haben sich vorher Gedanken gemacht über die Positionsgröße und den Ausstieg.
  • Die Position sollte zügig innerhalb des ersten Tages in den Gewinn laufen.
  • Begrenzen Sie Verluste! Tolerieren Sie maximal 3 bis 5 Prozent Verlust.
  • Ist die Aktie gegen Ende des Handelstages im Minus: liquidieren!
  • Ist die Aktie gegen Ende des Handelstages (weit) im Plus: Abwägen zwischen Gewinnmitnahme und Ausreizen eines mehrtägigen Aufwärtstrends.

Der Lohn der Mühe

Wer diszipliniert und mit kühlem Kopf vorgeht, kann an Rebound-Tagen sein Depot einen gewaltigen Schritt nach vorne bringen. Zu Zeiten, wo die meisten Anleger Kursverluste erleiden, sind schnelle antizyklische Gewinne möglich. Stellt sich im Nachhinein heraus, dass die Rebound-Bewegung in eine mittelfristige Trendwende mündet, hat man den Vogel abgeschossen. Dann winken Gewinne von 30 Prozent und mehr, bevor die Masse der Anleger erst aufmerksam wird.

Abbildung oben: Der Rebound-Kandidat Kali+Salz intraday am 30.9.2008. Beachten Sie die Dynamik in der ersten Handelsstunde. Ohne gründliche Vorbereitung wäre der Börsenzug an einem vorbei gerast.

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