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Inflation, Deflation, Depression – ja was denn nun?

Inflation, Deflation, Depression – ja was denn nun?

Es ist zum Mäusemelken. Da hat man sich als vorausschauender Anleger gründlich informiert und sich schweren Herzens mit dem Szenario einer Hyperinflation a la Weimarer Republik angefreundet, dann geistert plötzlich das Deflationsgespenst durch die Medien. Hoppla!

Nun, ein paar Monate später hatte es sich anscheinend in Luft aufgelöst. Dank milliardenschwerer Rettungspakete, einer rotierenden Notenbank-Gelddruckmaschine und „quantitative easing“ (welch vornehme Wortkreation) war die Inflationswelt wieder in Ordnung.

Zu früh gefreut! Da erdreistet sich ein Amerikaner und warnt vor der aktuellen Depressionsfalle (Quelle: Interview im Handelsblatt online vom 21.6.2010: Axel Weber wäre ein Risiko für den Euro). Damit nicht genug. Er kritisiert die Sparpolitik und bezeichnet die Bundesbank-Strategie als Risiko für den Euro. Das hat gesessen.

Angesichts der Sommerflaute könnte man solche Äußerungen als plumpe Effekthascherei abtun, wenn es sich dabei nicht um den Nobelpreisträger Paul Krugman handeln würde. Steckt mehr dahinter als internationale Politik?

Die Äußerungen unterschiedlicher wirtschaftspolitischer Richtungen zeigen, dass die Situation bei weitem nicht so eindeutig ist wie es gerne polarisierend dargestellt wird. Inflation und Deflation sind griffige Worte, aber es gibt nicht nur schwarz und weiß. Der Preisdruck aus China ist deflationär, quantitative easing wirkt inflationär. Worauf ich hinaus möchte: wenn selbst die cleversten Wirtschaftsdenker sich derart uneinig sind, dann kann der Anleger nur gut beraten sein, nicht alles auf eine Karte zu setzen.

Was die Portfoliotheorie gerne als Diversifikation bezeichnet, heißt für den Einzelnen, sich in seiner Anlagestrategie eine Hintertür offen zu halten, wenn das Erwartete eben nicht eintritt – oder erst zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Was nützt das beste hyperinflationsresistente Portfolio, wenn eine Deflation vorab den Anleger verhungern lässt?

Seien Sie gewarnt, wenn eine Sache von der Mehrheit als ausgemacht, sicher und unausweichlich gilt, dann schlägt der Markt einen Haken! Doch zurück zu Professor Klugman.

Ich bin sicher, er hat brillante Argumente für seine These. Seine Kontrahenten auch. Sehen Sie es mir nach, wenn ich nur kurz und knapp auf ein Sandkorn im Inflationsgetriebe eingehe. Von der Inflationssystematik her ist es ideal, wenn mehr Geld geschaffen (gedruckt) wird als dafür Gegenwerte entstehen. Ein wenig Inflation gilt als okay (Schmierstoff für die Wirtschaft).

Geht die Schere weiter auseinander, nehmen die Inflationsrisiken zu. Im Extremfall kann es in einer Hyperinflation enden. Entscheidend ist, dass das Geld tatsächlich in die Märkte fließt, die Verbraucher ungezähmt konsumieren und die Preise in die Höhe treiben. Ist dieser Wirkungsmechanismus gestört, dämpft das die Inflation. Es kann sogar so weit gehen, dass deflationäre Tendenzen entstehen. Im Extremfall sogar depressive Tendenzen trotz rotierender Notenpresse. Voila!

Wie kann man erkennen, ob genügend Geld in der Wirtschaft ankommt? Eine Möglichkeit sind die volkswirtschaftlichen Geldmengenaggregate M1, M2 und M3.

M3 ist negativ. Eine brisante Aussage! Wenn das zutrifft, haben wir es mit einer scharfen Kontraktion der Geldmenge zu tun. Bei dieser Ausgangslage wären staatliche Sparprogramme Gift. Ich vermute, in diese Richtung argumentiert Professor Krugman, wenn er von der Gefahr einer Depression spricht.

Verehrte Frau Bundeskanzlerin, bitte würdigen Sie bei den deutschen Sparbemühungen diesen Aspekt.

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