Das Jahr ist fast vorbei. Die vielbeschworene Jahresendrallye ist wohl nicht mehr zu erwarten. Dabei sah es im November vielversprechend aus, bis die negative Haltung der EZB zur Alimentierung der wankenden Banken und EU-Staaten offensichtlich wurde.

Sparpolitik schickt DAX nach unten

Ein klares Bekenntnis der EZB hätte das Vertrauen in die Kapitalmärkte wiederherstellen können. Die Schuldenkrise wäre (vorerst) beendet. Man hätte Zeit gewonnen, die Probleme vernünftig anzugehen ohne weitere Verwerfungen an den Kapitalmärkten. Aber was nützen uns die vielen „hätten“?

Stattdessen wird mit den Sparmaßnahmen der europäischen Rettungsliga das Wirtschaftswachstum in Europa abgewürgt. Rezessive Tendenzen sind bereits in den Mitgliedsländern erkennbar, in Griechenland gehen im übertragenen Sinne die Lichter aus wie man der Presse entnehmen kann.

Politikversagen

Liebe Politiker, was gedenken sie zu unternehmen, wenn mit der nachlassenden Wirtschaftskraft die Steuereinnahmen wegbrechen? Wenn weitere Arbeitsplätze wegfallen? Wenn den Bürgern weniger Geld im Portemonnaie bleibt? Wie wollen sie dann die Schuldenlöcher stopfen? Noch mehr sparen und in die Taschen der Bürger greifen?

Was selbst zur besten Hochkonjunktur nicht gelang, soll bei einer schwächenden Wirtschaft gelingen? Noch brummt die deutsche Wirtschaft. Selbst da macht „Vater Staat“ fleißig neue Schulden. Verzeihen Sie meine Skepsis, aber Staaten konnten noch nie gut mit dem Geld ihrer Bürger umgehen.

Negativspirale droht

Ein übertriebener Konsolidierungszwang in Europa birgt zum jetzigen Zeitpunkt die Gefahr, die Schuldenkrise zu einem Schuldenorkan ausarten zu lassen. Die US-Presse zieht dramatische Vergleiche mit der großen Weltwirtschaftskrise in den dreißiger Jahren. „Angela Merkel, Meet Heinrich Bruning“ heißt es bei Forbes. Frau Merkel wandere auf den Spuren von Reichskanzler Brüning in die EU-Depression. Auch wenn der Beitrag politisch gefärbt ist und übertrieben daher kommt, sind die Gefahren einer übertriebenen Sparpolitik in der jetzigen Situation nicht von der Hand zu weisen. Die Geschichte wird darüber richten.

Ein Lichtlein am Dienstag

Die Lage am Geldmarkt ist ernst. Montag schockte der EZB-Chef die Anleger mit seinem Vergleich es sei wie zu Lehmans schlimmsten Zeiten. Am Dienstag kam wieder Hoffung auf. Die EZB griff den Banken mit Geldgeschenken von 500 Milliarden Euro unter die Arme. Die Institute griffen beherzt zu. Das Kalkül dahinter ist, zum einen den dahinsichenden Interbankenmarkt vorübergehend zu ersetzen. Sonst droht eine Kreditklemme. Zum anderen soll die Nachfrage nach Staatsanleihen angekurbelt werden. Es half. Die Renditen spanischer Staatsanleihen sanken deutlich.

Politikversagen kostet Milliarden

Es gibt kein Patentrezept zur Lösung der dringendsten Probleme. Kein Mensch erwartet ein fehlerfreies und effizientes Management seitens der europäischen Politiker-Elite. Aber etwas mehr Sachkenntnis, Entschlusskraft und Ehrlichkeit gegenüber den Wählern darf man erwarten. Bestes Beispiel der Verdummungspolitik sind die Lobpreisungen über den letzten Gipfel. Ich hatte mich dazu bereits geäußert und möchte es mit einem Hinweis auf folgenden Blogbeitrag in der Zeit belassen:

 Glaubt die Kanzlerin, was sie sagt?

Quelle: Zeit Online, von Mark Schieritz am 14. Dezember 2011

Geht die Welt unter?

Natürlich nicht. Jagen Sie die Verschwörungstheoretiker und Untergangspropheten in die Wüste. Bleiben Sie realistisch und akzeptieren Sie die Probleme. Fakt ist, die Menschheit ist mit ganz anderen Problemen fertig geworden. Die jetzige Krise ist eine vorübergehende Episode wie schon so viele davor. Es wird Gewinner und Verlierer geben. Nach einem reinigenden Gewitter geht es weiter.

Aufpassen!

Passen Sie auf, dass Sie nicht im Regen stehen gelassen werden. Selbst wenn unsere Politiker die EU vor die Wand fahren – als Anleger sind wir nicht gezwungen in Europa anzulegen. Glücklicherweise ist der „Rest der Welt“ voller Investmentchancen.