Aktienscreening
23. September 2009
Dem Aktienanleger bietet sich eine unüberschaubare Vielfalt an Aktien und Analysemöglichkeiten. Schnell kommt die Phase, wo man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht. Die zur Verfügung stehenden Informationen und Datenmengen sind zeitlich einfach nicht mehr zu bewältigen – es sei denn, man schränkt das betrachtete Anlageuniversum stark ein oder legt sich eine eigene Investmentbank zu. Die letztgenannte Variante dürfte die Belastbarkeit des Geldbeutels überstrapazieren, die erste Variante die lukrativen Gelegenheiten einschränken. Aber es gibt dennoch eine ausgezeichnete Analysemöglichkeit, die für jedermann erschwinglich ist und bei richtiger Anwendung wertvolle Entscheidungsgrundlagen bereitstellt.
Gemeint ist das „screenen“ von Aktien. Aus einem definierten Anlageuniversum werden nach festen Kriterien Aktien selektiert. Dabei können Fundamentaldaten wie auch technische Analysetools verwendet werden. Der große Vorteil besteht darin, enorme Datenmengen nach einheitlichen Maßstäben aufzubereiten, die der Investor für wichtig erachtet. Das Ergebnis sind überschaubare Aktienlisten als Anregung für Investmententscheidungen. Man kann den Prozess derart verfeinern, dass daraus umfassende Anlagestrategien entstehen. Die CANSLIM-Methode von O´Neil oder die in O`Shaugnessys Buch „Die besten Anlagestrategien aller Zeiten“ genannten Verfahren sind erfolgreiche Beispiele dafür.
Aber es muss gar nicht so kompliziert sein. Schon einfache Aktienscans liefern wertvolle Hinweise, wo etwas passiert und es sich lohnen könnte, genauer nachzuschauen. Die populäre Suche nach 52-Wochen-Hochs, Umsatzspitzenreitern oder Volatilitätsausbrüche sind nichts anderes als eine besondere Form des Aktiensceenings.
Entscheidend ist, dass die verwendeten Kriterien nachvollziehbar sind und dem Anwender bewusst ist, auf welchem theoretischen Fundament sie stehen. Wer die Relative Stärke als Selektionskriterium verwendet, sollte an die Existenz von Trends glauben. Dagegen dürfte ein überzeugter „Random Walk Verfechter“ Probleme damit haben.
Je besser das verwendete Analyseinstrumentarium mit der eigenen Anlegermentalität harmoniert, desto größer sind die Erfolgsaussichten: Nur wenn das Vertrauen da ist, wird man in kritischen Börsenzeiten nicht all seine guten Grundsätze über Bord werfen. Lassen Sie nicht zu, dass der Spruch „diesmal ist alles anders“ zum kostspieligen Eldorado wird.
Natürlich sind Aktienscans nicht der heilige Gral der Geldanlage. Jedes Screening ist nur so gut, wie die angewandten Parameter realistische Aussagen über den weiteren Kursverlauf zulassen. Aber auch falsche Daten, unseriöse Aktienpushereien, eine niedrige Marktkapitalisierung oder fehlende Börsenumsätze können zu Fehlinterpretationen führen. Deshalb empfehle ich dringend, die selektierten „Favoriten“ immer einer Detailanalyse zu unterziehen. Ein konsequentes Money Management ist absolute Pflicht. Verluste müssen begrenzt werden, Gewinne dürfen gerne weiterlaufen.
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