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Der Ketchup-Effekt

Der Ketchup-Effekt

Scheitert der Euro, dann scheitert Europa

Wohl kaum ein Thema in der Finanzszene erregt so stark die Gemüter wie die Auswirkungen der monetären Expansion der Zentralbanken. Diese Politik wurde unternommen zur Rettung des Euro. „Scheitert der Euro, dann scheitert Europa“ – Dieser Satz der Bundeskanzlerin zielt darauf, dass ein Scheitern der Euro-Rettungspolitik eine Dynamik auslösen könnte, die über die unmittelbaren Folgen an den Finanzmärkten weit hinausgeht. Von einer politischen Zersplitterung Europas ist in düsteren Szenarien etwa die Rede.

No future?

Aber auch handfeste ökonomische Gründe werden ins Feld geführt. So ist die binnenwirtschaftliche Nachfrage in den von der Eurokrise betroffenen Ländern – auch PIIGS-Staaten genannt – sehr deutlich zurückgegangen. So deutlich, dass insbesondere jüngere Leute in ihrer Heimat keine Zukunft mehr sehen und sich Richtung Norden aufmachen. So verzeichnet das Statistische Bundesamt für 2012 eine starke Zunahme der Einwanderung aus Spanien und Griechenland. Auf den dortigen Arbeitsmärkten sieht es düster aus – die gemeldeten Zahlen kommen daher nicht überraschend.

Warum Geld drucken?

Was hat das mit der Kreditpolitik der EZB zu tun? Die derzeitige monetäre Expansion soll dazu führen, dass das Kreditgeschäft der Banken auf den lokalen Märkten wieder in Gang kommt. Werden mehr Kredite vergeben, dann steigen auch wieder die Investitionen. Und wachsen die Investitionen, dann wächst auch wieder die gesamte Nachfrage. Nun sind die Zinsen derzeit rekordtief – aber von einer Zunahme der Kreditnachfrage kann keine Rede sein. Dies liegt zum einen an der schwachen gesamtwirtschaftlichen Nachfrage, dann aber auch an der Risikoscheu der Banken sowie an strengeren Regeln für die Kreditvergabe. Auch wenn die monetären Bedingungen vorderhand günstig sind, übersetzt sich diese Ausgangslage nicht in eine realwirtschaftliche Expansion. Das Geld ist da – nur ausgeben tut es keiner.

Die Schuldenlawine

In dem kürzlich erschienen Buch „Die Schuldenlawine“ von Bert Flossbach und Philipp Vorndran wird nun eine entgegengesetzte Argumentation geführt. Ja, es ist ist richtig, die monetäre Expansion übersetzt sich im Moment noch nicht in eine realwirtschaftliche Expansion. Aber sie führt dazu, dass sich auf lange Sicht Inflationserwartungen festsetzen. Werden diese einmal relevant, sind sie nur noch schwer in den Griff zu bekommen. Heutige Ersparnisse werden in der Zukunft weniger wert sein, was bedeutet, dass man lieber heute konsumiert statt für morgen spart. Wer aber sein Geld ausgibt, anstatt es zu horten, der übt Nachfrage aus. Und diese steigende Nachfrage führt früher oder später zu steigenden Güterpreisen.

Es ist wie bei einer Flasche Ketchup: Man klopft auf den Flaschenboden drauf, damit endlich was aus dem Ding raus kommt. Aber erst einmal kommt nichts raus. Aber die Soße (Geld) wandert langsam Richtung Flaschenhals (Gütermarkt), und dann kommt irgendwann einmal eine ganze Menge Ketchup (Preisanstieg) heraus.

Stimmt das?

Die Experten streiten. Nicht alle sind dieser Ansicht. In Japan etwa waren Anfang der Neunziger Jahre die Zinsen am Boden. Die Voraussetzungen für eine Belebung der Kreditnachfrage waren gegeben. Der erhoffte Effekt jedoch ist nicht eingetreten. Auch spielen andere Faktoren eine Rolle, wie etwa die Innovationsfähigkeit der Volkswirtschaft und die demographische Entwicklung. Denn die Nachfrage wird immer auch getrieben von neuen Produkten und von Konsumenten, die diese Produkte nachfragen.

Im Hinterkopf behalten

Die Autoren dieses Buchs sind erfahrene Kapitalmarktexperten. Teilt man deren Ansicht, dann sollte man in jedem Fall in Sachwerte wie Aktien, Gold oder Immobilien investieren. Deren Wert würde dann zunehmen – aber der Wert von Nominalwerten wie Sparbriefen oder Bankschuldverschreibungen würde abnehmen. Und das alles wegen einer Flasche Ketchup.

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