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Prinzipien der Technischen Analyse

Prinzipien der Technischen Analyse

Die drei Säulen der Technischen Analyse

Die technische Analyse ist so alt wie die Börse selbst. Ihr Ursprung liegt wahrscheinlich im 17. Jahrhundert in Japan. Überlieferungen zufolge benutzten dort bereits Gold- und Reishändler Charts zur Preisprognose. Populär geworden ist sie erst in den USA zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

John Murphy, einer der bekanntesten technischen Analysten in den USA, definiert den Begriff der technischen Analyse als das Studium von Marktbewegungen – in erster Linie durch den Einsatz von Charts – um zukünftige Kurstrends vorherzusagen.

Die technische Analyse beruht auf drei wesentlichen Annahmen:

  • Der Markt diskontiert alles.
  • Die Kurse bewegen sich in Trends.
  • Die Geschichte wiederholt sich.

Der Markt diskontiert alles

Den Preis eines Wertpapiers bestimmen zahlreiche Faktoren: Gewinnwachstum, Produktsortiment, Wettbewerbssituation, Verschuldung usw. Es ist praktisch unmöglich, alle Faktoren zu berücksichtigen und richtig zu interpretieren. Wenn Neuigkeiten bekannt werden, hat die Börse diese längst eingepreist. An den Märkten wird die Zukunft gehandelt und nicht die Gegenwart. Wenn alles, was die Marktpreise bewegt, bereits in den Kursen enthalten ist, dann ist nur die Analyse der Marktpreise notwendig.

Die Kurse bewegen sich in Trends

Die Erfahrung zeigt, dass sich Kurse in Trends bewegen. Aufgabe der technischen Analyse ist es, diese möglichst frühzeitig zu erkennen und die vorherrschende Richtung festzustellen. Es gibt nur drei Möglichkeiten: Aufwärts, abwärts oder seitwärts. Es wird unterstellt, dass die Wahrscheinlichkeit einer Fortsetzung des bisherigen Trends größer ist, als dass er sich ändert. Wer nicht davon überzeugt ist, dass Trends existieren, braucht sich nicht weiter mit der technischen Analyse zu befassen.

Langfristige Trends

Der langfristige Aufwärtstrend des Euro Stoxx50 wird im Jahr 2002 verlassen.

General Electric

Die Aktie General Electric fällt nach einer mehrjährigen Übertreibungsphase auf den langfristigen Aufwärtstrend zurück.

Die Geschichte wiederholt sich

Die Überschrift ist nicht wörtlich zu nehmen. Gemeint ist damit, dass sich menschliche Verhaltensweisen ähneln und im Zeitablauf kaum verändern. So wiederholen sich bestimmte Kursformationen deswegen, weil sich darin bestimmte psychologische Muster menschlichen Verhaltens wieder finden.

Auch wenn einige Gegner die technischen Analyse gerne als Kaffeesatzleserei oder Hokuspokus verspotten, bietet sie eine Reihe von handfesten Vorteilen: Während die Fundamentalanalyse sehr zeitaufwändig ist und der Gegenwart stets hinterherhinkt, basiert die technische Analyse auf aktuellen Marktdaten. Sie ist anpassungsfähig an jede Zeitdimension: Jahre, Monate, Tage, Stunden oder Minuten. Es können Prognosen für Optionen, Futures, Devisenmärkte, ja jeden Handelsgegenstand erstellt werden! Die Vielfalt der Anwendungsmöglichkeiten ist fast unbegrenzt.

Wir möchten auf dieses nützliche Instrumentarium nicht verzichten. Die Kombination aus Fundamentalanalyse und technischen Methoden funktioniert ausgezeichnet. Beide Ansätze sind nur ein scheinbarer Widerspruch. In Wirklichkeit ergänzen sich beide Denkrichtungen hervorragend.

Die Dow Theorie

Die Dow Theorie ist ein grundlegender Baustein für das Verständnis der technischen Analyse. Fast alle technischen Methoden und Modelle leiten sich aus ihr ab. Entwickelt wurde sie von Charles Dow um die Jahrhundertwende. Am 3. Juli 1884 veröffentlichte Charles Dow den ersten Aktienindex, der sich überwiegend aus Eisenbahngesellschaften zusammensetzte. Im Jahre 1897 entwickelte er einen Industrieaktien-Index und einen Index aus Eisenbahnaktien. Der Industrieaktien-Index wurde erweitert auf 30 Aktien. Er bildete das Fundament für den heute noch existierenden Dow Jones Industrial-Index.

Die Dow Theorie beruht auf folgenden Prämissen:

1. Alle Informationen sind eingepreist

Die Indizes reflektieren alle relevanten Informationen und haben diese bereits eingepreist.

2. Märkte bewegen sich in Trends

Ein Aufwärtstrend ist gekennzeichnet durch sukzessiv steigende Hoch- und Tiefpunkte. Bei einem Abwärtstrend verhält es sich genau umgekehrt. Es gibt drei Arten von Trends: Der übergeordnete Primärtrend dauert mindestens vier Monate. Er wird durch mittelfristige Korrekturen eines Sekundärtrends unterbrochen. Diese belaufen sich auf etwa drei bis zwölf Wochen. Schließlich gibt es noch einen untergeordneten kurzfristigen Trend, der weniger als drei Wochen anhält.

Primär- und Sekundärtrend

Dow Jones Industrial-Index: Vereinfachte Darstellung unterschiedlicher Trendphasen.

3. Primärtrend

Charles Dow unterteilte den langfristigen Primärtrend in drei verschiedene Phasen. In einer Akkumulationsphase kaufen die cleveren Investoren („smart money“). Wenn die Kurse an Dynamik gewinnen, wird die Öffentlichkeit aufmerksam und springt auf den fahrenden Börsenzug auf. Die Phase der öffentlichen Beteiligung hat begonnen. In der letzten Phase beginnen die cleveren Investoren ihre Engagements zu veräußern. In dieser Distributionsphase wandern die Aktien von ruhigen Händen in zittrige Hände. Ein dramatisches Ereignis könnte nun zu einem weiter fortgeschrittenem Zeitpunkt den Börsenzug zum entgleisen bringen und die „zittrigen“ Hände veranlassen, ihre Aktien um jeden Preis zu veräußern.

4. Prinzip der Bestätigung

Die Indizes müssen sich in ihrer Entwicklung gegenseitig bestätigen. So sollte ein Hoch im Dow Jones Industrial-Index durch ein Hoch im Dow Jones Transport-Index bestätigt werden. Diese Aussage zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte technische Analyse: Das Prinzip der Konvergenz und Divergenz ist von großer Bedeutung für die Kursprognose.

Im direkten Vergleich

Das Prinzip der Bestätigung am Beispiel vom Dow Jones Tranport-Index und Dow Jones Industrial-Index.

5. Umsatz und Trend

Der Umsatz bzw. das Volumen sollte in Richtung des Trends zunehmen. Auch diese Erkenntnis ist elementar für die technische Analyse von Märkten und Kursen.

Die Aktie Rambus bricht regelkonform unter hohem Volumen nach oben aus.

Rambus bricht unter hohem Volumen aus

6. The trend is your friend

Es ist wahrscheinlicher, dass sich eine vorherrschende Trendbewegung fortsetzt, als dass sie sich ändert. Dow folgerte daraus, dass ein Trend solange Bestand hat, bis es klare Signale einer Umkehr gibt. In dem MAN Chart liefert ein Dreifach-Hoch Warnsignale, dass der Primärtrend gefährdet ist: Es bilden sich drei fallende Hochpunkte aus. Ein Anstieg wird nicht durch zunehmendes Volumen bestätigt. Es fehlt die Kraft, neue absolute Hochs zu erklimmen. Schließlich gewinnen die Abwärtskräfte an Dynamik und der Kurs bricht unter hohem Volumen durch die Aufwärtsgerade hindurch.

MAN mit Dreifach-Hoch

Ein Dreifach Hoch kündigt den Kurssturz der Aktie von MAN an.

Kein Stress: Schlusskurse

Charles Dow benutzte für seine Analysen ausschließlich Schlusskurse. Er war davon überzeugt, dass Intraday-Trendverletzungen nicht signifikant genug waren. Ein genereller Kritikpunkt an der Dow Theorie ist, dass Kauf- bzw. Verkaufssignale erst relativ spät kommen. Charles Dow hat mit seinen Analysen und Berichten einen bedeutenden Beitrag zur Entwicklung der technischen Analyse geleistet.

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