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Vier Stolperpfallen auf dem Weg zum Vollzeit-Trader

Vier Stolperpfallen auf dem Weg zum Vollzeit-Trader

Wer kann vom Traden leben?

Die Allerwenigsten!

Fakt ist, profitabel zu traden – also ein per Definition erfolgreicher Trader zu sein – und durch Trading des eigenen Kontos finanzielle Unabhängigkeit zu erreichen, sind zwei verschiedene Paar Schuhe!

Ein Gastbeitrag von Ingmar Folk.

In diesem Artikel zeige ich dir die wichtigsten vier Stolperfallen auf, welche – abseits des direkten Börsengeschehens – für deine Entwicklung hin zum Vollzeit-Trader ausschlaggebend sind.

Stolperfalle 1: Die Zeit

Was bedeutet dieser Punkt?

Ich spreche hier in erster Linie von deinem Alter. Wann hast du deine Traderlaufbahn begonnen? Es ist etwas anderes ob du mit 20 startest oder mit Ende 40. Je früher du anfängst desto besser stehen deine Chancen als Vollzeittrader durchzustarten.

Warum?

Als junger Mensch bist du motivierter, hast weniger Fixkosten (keine Familie, Unterstützung durch die Eltern), bist flexibler in der Lebensplanung und die Zeit ist auf deiner Seite. Diese Zeit wirst du benötigen um deine Lernkurve rechtzeitig zu durchlaufen. Danach spielt dir der Zeitbonus beim Aufbau deines Handelskontos in die Hände. Du musst weniger riskieren und kannst dadurch gelassener traden, weil du einfach mehr Zeit zur Verfügung hast, dein Konto aufzubauen.

Ein weiterer Punkt ist die Zeit, welche du mit dem Lernen und dem Umsetzen deines Tradings verbringen kannst. Als junger Mensch bist du nicht beruflich maximal eingespannt. Deine Lernkurve wird dadurch verkürzt.

Stolperfalle 2: Die Kontogröße

Diese Komponente ist zum Start deiner Tradingkarriere nicht von Bedeutung. Trainieren und lernen kannst du heute ohne Probleme mit wenig Kapitaleinsatz. Hast du deine Lernkurve aber größtenteils durchlaufen, wird dieser Punkt deutlich wichtiger.

Wenn du richtig anfängst professionell im Futures Markt zu traden, ist eine Mindestkontogröße nötig. Je nach gehandeltem Markt kann die bei 20k liegen aber durchaus auch deutlich höher.

Wenn du Disziplin zeigst und während deiner Lernphase nur wenig Risikokapital einsetzt, während du im Hintergrund deutlich mehr zur Verfügung hättest, bist du klar im Vorteil. Dieses gesparte Lehrgeld kann im weiteren Verlauf deiner Laufbahn Gold wert ein. Es gibt dir einen enormen Zeitvorsprung, wenn du deine Karriere als Trader mit 50k oder mehr an Risikokapital starten kannst.

Mach dir klar: Ein Trader, der im Vergleich dazu mit nur 10k an den Start gehen muss, ist gezwungen, erst einmal 500% Nettorendite zu ertraden um auf dein Ausgangsniveau von 50k Startkapital zu gelangen. Und 500% Rendite bei angemessenem Risiko ist ne Menge Holz. Der Trader mit 10k Startkapital braucht dafür fünf Jahre. Allerdings muss er dann 50% Rendite jährlich erzielen. Fixkosten hat auch dieser Trader immer zu zahlen. Werden diese nicht anderweitig abgedeckt zieht sich das ganze Spiel unkalkulierbar, wie Gummi, in die Länge.

Die einzige Chance den Weg abzukürzen liegt in diesem Fall darin, mehr Geld pro Trade zu setzen. Damit bin ich bei Stolperfalle drei angekommen…

Stolperfalle 3: Das Risiko

Wenn du erhöhtes oder maximales Risiko in deinem Tradingkonto fährst, wirst du natürlich anfälliger für einen Kontocrash. Sei es, weil du alsTrader damit mental überfordert bist, oder einfach, weil dich das implizite Geschäftsrisiko deines Tradingunternehmens aus der Bahn werfen kann.

Ein gesundes Risiko pro Trade überschreitet nicht die 2% Marke. Idealerweise wird es auf 1% begrenzt.

Willst du ein 10k Konto schnellstmöglich hochhandeln sind jedoch 100 Euro Einsatz pro Trade absolut Pillepalle!

Wenn du wirklich vorankommen willst, solltest du 5% deiner Kontosumme in einem einzigen Trade riskieren. Mit 500 Dollar kannst du schon was anfangen und das Konto wird sich richtig bewegen. Allerdings hoch und runter.

Ich rate dir von dieser Vorgehensweise ab! Zumindest solange du es dir nicht leisten kannst dein ganzes Trading-Konto an die Wand zu fahren. Es ist einfach auch Charaktersache, ob diese Strategie etwas für dich ist. Wenn du bereits ein guter Trader bist, kann sie funktionieren.

Nun komme ich zur vierten und sehr heiklen Stolperfalle auf deinem Weg in die finanzielle Unabhängigkeit als privater Trader.

Stolperfalle 4: Die Lebenshaltungskosten

Jetzt ist es an der Zeit, einfach mal den gesunden Menschenverstand einzuschalten.

Stelle dir daher folgende Frage: Was ist bei fast jeder Firma mit der wichtigste Punkt, damit eine Unternehmung profitabel ist? Ist es der Umsatz? Nein. Eine Firma kann noch so viel Umsatz pro Jahr generieren, dadurch verdient sie unter dem Strich noch lange kein Geld.

Warum ist das so?

Vom Umsatz müssen sämtliche Kosten/Aufwendungen abgezogen werden. Sind die Kosten einer Firma insgesamt zu hoch, kann sie einfach keinen Gewinn machen.

Es ist daher sinnvoll, wenn du als Trader dein Trading als Firma siehst.

Denkst du wie ein Geschäftsführer zwingt dich diese Sichtweise dazu die Kosten für deine Tradingfirma klein zu halten und den Gewinn zu maximieren.

Niedrige Kosten maximieren deinen Firmengewinn zwangsläufig. Hohe Trading-Gewinne alleine sind hingegen kein Garant dafür. Wenn du mit kleinem Konto tradest musst du, um die direkten Handelskosten zu minimieren, weniger traden und dich auf die allerbesten Chancen konzentrieren.

Eine weitere Möglichkeit Kosten zu senken ist es, deinen monatlichen Geldbedarf klein zu halten. Ziehst du diese Drehschraube an, beschleunigt das deinen Weg zum Vollzeittrader ungemein.

Wenn du frühzeitig hohe Maßstäbe an deinen Lebensstil anlegst, kommst du sehr schnell unter massiven finanziellen Druck deine Vorgaben durch Trading erreichen zu müssen.

Unterschätze diesen Druck nicht, gerade wenn du über keinerlei finanzielle Puffer verfügst. Er kann dich kaputt machen! Denn an der Börse wird kein Geld verdient, nur gewonnen.

Heisst: Als Trader kannst du dich nicht auf konstante Einnahmen verlassen, nur weil du gearbeitet hast. Die unsichere Umgebung der Finanzmärkte spült dir das Geld in Schüben auf dein Handelskonto. Du weisst aber niemals, wann genau dieser Zeitpunkt gekommen ist.

Wenn du vor diesem Hintergrund hohe monatliche Privatausgaben finanzieren musst, kannst du kaum noch mental frei an den Märkten agieren und deinen Handelsplan abgeklärt umsetzen.

Also merke: Solange du keine dicken Kapitalpuffer zur Verfügung hast, bist du als Trader dazu gezwungen, deinen Lebensstandard deinem Tradingkonto anzupassen. Nicht andersherum!

Bist du dazu wirklich bereit?

Als voll ausgebildeter Trader mit 50k Risikokapital knackst du den Jackpot

Den Jackpot im Trading knackst du nur, wenn dir am Ende deiner Lernkurve als privater Trader ein Handelskonto von 50 bis 80 Tausend Dollar zur Verfügung steht. Dazu 10k Rücklagen, um ein Jahr deine noch niedrigen Lebenshaltungskosten decken zu können und du bist in diesem Fall – auf niedrigem Niveau – sofort finanziell unabhängig.

Aber sei ehrlich: Wer hat als Normalbürger eine solch günstige Ausgangslage? Nur die Allerwenigsten. Sehr viele Leute haben von Anfang an zu wenig Geld. Einige verbraten ihr Risikokapital während sie ihre Lernkurve durchschreiten. Wenn sie denn überhaupt durchschritten wird!

Börsenerfolg ist kein Zufall und machbar. Aber um als Trader finanzielle Unabhängigkeit zu erlangen, brauchst du bereits genug Kapital. Verabschiede dich von dem Gedanken, aus einem kleinen Tradingkonto in kurzer Zeit und ohne zwischendrin pleite zu gehen, ein so großes zu machen, um dann davon sehr gut leben zu können. Es ist eine Illusion, aufgebaut durch die Werbemaschine der Börsenindustrie.

Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel.

Diese Ausnahmen sind meist Glückspilze und verspielen ihr Geld langfristig wieder. Einige dieser Ausnahmen sind aber auch wirklich gute Trader, die sehr viel riskieren und durchkommen. Genau diese Geschichten werden zu Werbezwecken missbraucht, um dich zu locken und zu blenden.

Schlussglocke

Ich hoffe, ich konnte dich von deiner flauschigen Traderwolke holen und dir ist jetzt klar, warum es tatsächlich so extrem wenige private Trader gibt, die ausschließlich nur von ihren eigenen Tradinggewinnen leben können. Selbst erfolgreiche Trader erschließen sich nicht selten zusätzliche Einkommensquellen, um ihre finanzielle Sicherheit zu gewährleisten. Diese Tatsache muss nicht heissen, dass jemand nicht gut traden kann. Es ist absolut legitim. Nur darfst du dich dann nicht als echter Profitrader verkaufen. Nenn dich in diesem Fall lieber einfach Börsenprofi.

Meine Intention mit diesem Artikel war es nicht, dich zu demotivieren, sondern zu warnen. Kopf hoch! Es gibt immer Wege zum Ziel. Auch wenn sie dich nicht immer geradeaus und direkt dorthin führen müssen. Gerade im boomenden Internet-Zeitalter hast du gute Möglichkeiten an deiner aufgebauten Börsenexpertise mehrfach zu verdienen. Sei kreativ bei der Planung deiner Börsenkarriere und plane sie vor allem frühzeitigst.

Ansonsten stehst du irgendwann womöglich vor der Frage: Kann ich es mir noch leisten vollzeit zu traden?

Zur Person: Ingmar Folk hat sich auf den Handel des Bund- und EuroStoxx50 Futures spezialisiert. Sein Ansatz: Möglichst niedrige Risiken eingehen und das Risiko clever managen, um langfristigen Erfolg sicherzustellen. Der Autor betreibt den Blog Coin-Flip-Trading.com, wo er ein interessantes Experiment zum Zufallseinstieg beim Trading durchführt.

3 Kommentare
  1. Man kann natürlich auch die ersten Erfahrungen
    an der Börse als klassischer Langfristanleger
    neben seinem Beruf machen, und so die ersten Erfahrungen
    sammeln, die einem dann sicher auch als Trader helfen.
    Ob man aber schlussendlich als Trader erfolgreicher
    ist wie als Langfristanleger, sei mal dahin gestellt.
    Zumal dann auch noch der psychologische Erfolgsdruck
    auf einem solchen Trader lastet.

    Gruß

    Dieter

  2. Hallo Dieter,

    Aktives Trading ist harte Arbeit und es erzeugt keine regelmäßigen Erträge. Ein großer Nachteil. Langfristiges Investieren sollte dagegen ein passives Einkommen generieren und du kannst es wirklich nebenbei erledigen.

    Beim Trading heisst es, entweder richtig oder lieber gar nicht. Dafür brauchst du ne Passion. Ich habe einen Weg gefunden, es teilzeit zu betreiben. Wenn ich es aber mache, dann richtig und professionell. Betrachtest du es als reines Hobby, kann es finanziell gefährlich werden.

    Absolute Eigenverantwortung zu lernen und sich von der Meinung anderer gänzlich zu lösen, verbindet beide Disziplinen.

    Viele Grüße
    Ingmar

  3. Moin, Moin!

    Hobbies kosten bekanntlich Geld. Deshalb sollte man es professionell angehen, egal ob Trading oder Investment.

    Trading ist wie Formel 1 fahren. Unachtsamkeiten werden schnell bestraft.

    Investieren ist „gemütliches“ Reisen im komfortablem 500er Benz, solange man das ferne Ziel fest im Blick hat. Man kann zwischendurch gelassener in die Landschaft schauen.

    Zwei völlig unterschiedliche Stile, aber wer es als Hobby betreibt, zahlt unnötig drauf.

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