Geld verdienen mit Aktien

Zukunftsbranche + tolles Unternehmen = gewinnbringende Aktie?

Zukunftsbranche + tolles Unternehmen = gewinnbringende Aktie?

Die Börse tickt anders

Die obige Formel führt NICHT zwangsläufig zu schönen Kursgewinnen. Warum?

  1. Die Investoren schätzen die Zukunft einer Branche so rosig ein, dass die Aktienkurse bereits der Realität weit vorausgeeilt sind. Die Kurse kommen nicht mehr richtig vom Fleck. Gibt es gar enttäuschende Unternehmensnachrichten, purzeln die Kurse. Die KursFANTASIE verfliegt. Wirtschaftliche Realität und Kursverlauf befinden sich nicht im Einklang. Wird die Divergenz zu groß, sorgt der Markt für eine Korrektur.
  2. Ein „tolles Unternehmen“ wird häufig gleichgesetzt mit Blue Chip oder Leader in einer Zukunftsbranche. Der Status Blue Chip suggeriert eine sichere Anlage. Das ist blanker Unsinn.

Kein Unternehmen ist garantiert sicher

Ein Blick in die Geschichte mit den zahlreichen entthronten Marktführern belegt das Gegenteil. Lassen Sie sich nicht für dumm verkaufen. Als Aktionär müssen Sie andere Überlegungen anstellen als die Angestellten eines Großkonzerns, die sich relativ sicher fühlen bei einem Blue Chip beschäftigt zu sein (was den eigenen Arbeitsplatz angeht). Stellen Sie sich als Anleger die Frage: handelt es sich um einen (Massen-) Produzenten mit einem leicht kopierbaren Geschäftsmodell oder einen Spezialanbieter mit einem nachhaltigen Wettbewerbsvorteil, der ihn vor einer Margenerosion schützt und die Gewinne langfristig sprudeln läßt?

Am Beispiel der Solarbranche möchte ich die These erläutern

Alternativen Energien gehört die Zukunft. Kein Wunder, dass sie in der Gunst der Anleger hoch im Kurs stehen. Aber es gibt auch Phasen, wo selbst die vermeintlich unschlagbaren Marktführer keiner haben will. Betrachten Sie die Berg- und Talfahrt der bekannten Solarworld. Das Timing und die Nerven des Anlegers waren ganz entscheidend für den Anlageerfolg.

Solarworld langfristig

Abbildung: der Big Player Solarworld mit atemberaubenden Exzessen. Mit Solarworld konnten Anleger reich werden oder verarmen. Das Timing war von entscheidender Bedeutung. Die rechte Skala zeigt die prozentuale Kursveränderung seit Beginn der Kurszeitreihe.

Vorsicht, gesunder Menschenverstand!

Wie ist es möglich, dass selbst solche – gern als Blue Chip bezeichnete – Leader zwischen Kollaps und Kurseuphorie hin und her schwanken? Jeder erfahrene Börsianer weiss, dass der gesunde Menschenverstand an der Börse nicht weiter hilft. Dafür sorgen unsere Emotionen, Wünsche und andere psychologische Fallstricke.

Ein gefallener Sonnengott

Q-Cells ist ein gutes Beispiel für eine als Leader und Blue Chip in der Solarbranche wahrgenommenes Unternehmen. Doch für diese vermeintlich „sichere“ Aktie gilt die obige Formel nicht: bereits letztes Jahr zeichneten sich schwindende Gewinnmargen angesichts eines weltweiten Produktionsaufbaus ab (China stampfte zig Solarfirmen aus dem Boden). Massenproduktion zu Dumpinglöhnen aus Fernost lässt grüßen. Betrachten Sie den Kursverlauf und glauben Sie nicht, die Medienberichterstattung wäre entsprechend negativ gewesen. Zumindest die meiste Zeit über. Erst als die schlechten Nachrichten und Probleme immer deutlicher hervortraten, wurden die Analysten vorsichtiger. So „bestätigte“ die Ad-hoc-Meldung vom 14.07.2009 nach § 15 WpHG den schlechten Aktienkursverlauf:

Q-Cells SE: Schwache Marktentwicklung belastet Q2-Ergebnis

  • Geschäftsverlauf im zweiten Quartal unter Erwartungen: Vorläufiger Umsatz rd. 142 Mio. Euro, EBIT ca. -62 Mio. Euro
  • Derzeitige unsichere Marktsituation erlaubt keine verlässliche Prognose für das Gesamtjahr
  • Vorstand kündigt umfassendes Maßnahmenpaket an

Q-Cells

Besser sieht es dagegen bei den Spezialanbietern aus, deren Geschäftsmodell nicht dem Margenverfall unterliegt. Dazu fallen mir spontan mehrere ausgezeichnete deutsche Solarfirmen ein. Zwei davon hatte ich zuletzt in meiner öffentlichen Kolumne vom 26. Juni 2009 genannt. Den Beitrag habe ich hier angehängt, damit Sie sich nicht durchklicken müssen:

Solarwerte: Top oder Flop? (Beitrag vom 26.6.09)

Mit dieser Überschrift hatte ich mich am 5. Januar 2008 kritisch zu den Solaraktien geäußert:

„Solarwerte – besonders in den USA – gelten als heiße Wette auf die Zukunft und sind bereits sehr gut gelaufen. Ich warne davor, diese Entwicklung unkritisch in die Zukunft fortschreiben zu wollen wie es manche Schlagzeilen verheißen. Wenn irgendwann jeder irgendwo in der Welt Solarmodule etc. produziert, sinken die Gewinnmargen. Ein Ausleseprozess ist die Folge. Das Kursdebakel bei Conergy war eine erste Warnung. Keine Frage, der Markt bleibt interessant, aber er muss wesentlich differenzierter als die Vorjahre angegangen werden.“ (Quelle: Investment Ideen vom 5. Januar 2008)

Es verging damals kaum ein Tag wo Solaraktien nicht eine grandiose Zukunft attestiert wurde. Es kam anders: Eine Solarworld fiel in der Spitze um über 70%, eine Q-Cells sogar 90%. Machen Sie sich den Spaß und schauen Sie die alten Ausgaben verschiedener Börsenzeitschriften durch. Die Charts der führenden deutschen Solarkonzerne sprechen Bände:

Q-Cells abwärts

Solarworld

Dass es so schlimm kommen würde, hatte mich trotzdem überrascht. Für mich war damals nur „klar“, dass angesichts weltweit drohender Überkapazitäten, Billigproduktion aus China und Asien, Margenverfall und viel zu positiver Stimmung für Solaraktien sich das Chance-/Risikoverhältnis erheblich verschlechtert hatte. Grund genug damals, den Kursen nicht hinterher zu laufen und sein Geld in Sicherheit zu bringen. Dann kam die Finanzmarktkrise und beschleunigte den Kursverfall.

Ganz anders die Situation in diesem Jahr. Dank der dramatisch gefallenen Kurse und der neu aufgelegten weltweiten Förderprogramme hatte sich das Chance- / Risikoverhältnis erheblich verbessert:

„Jetzt könnte es umgekehrt sein – zumindest auf kurz- bis mittelfristige Sicht: die Solaraktien haben erheblich an Wert verloren (einige sind vom Kurszettel verschwunden, manche werden noch folgen oder übernommen), die Stimmung ist verhalten und die „Kreditklemme“ scheint sich aufzulösen. Ein wichtiger Punkt für die stark fremdfinanzierten Solarunternehmen. Eine gute Spekulation könnte darin bestehen, auf eine Erholung der Marktführer […] zu setzen. Ich möchte vorerst einen anderen Weg beschreiten und auf den Spezialanbieter […] setzen…“ (Quelle: Investment Ideen vom 1. Juni 2009)

Exklusives Know-how und sichere Gewinnmargen

Es gibt ausgezeichnete Solarfirmen in Deutschland. Entscheidend ist, dass diese Anbieter über ein exklusives Know how verfügen, das für andere Firmen unentbehrlich ist und nicht so schnell kopiert werden kann. Man denke nur an China. Ansonsten droht ein schmerzhafter Margenverfall. Das dürfte der Grund sein, warum sich „Massenproduzenten“ wie Q-Cells oder Solarworld (Insider mögen mir diese Vereinfachung bitte nachsehen) in den letzten Monaten nur unterdurchschnittlich entwickelt haben. Der Markt differenziert knallhart wo er die besseren Gewinnmargen vermutet. Es bildet sich still und leise eine „Zwei-Klassengesellschaft“ im Solarsektor. Es würde mich nicht wundern, wenn wir in der Solarbranche in einigen Jahren ein paar spektakuläre Firmenpleiten bzw. (Not-)Fusionen sehen werden.

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