Wie aus Verbandstoff ein Weltkonzern wurde
Manche Unternehmen wirken so selbstverständlich, dass man fast vergisst, wie ungewöhnlich ihre Geschichte eigentlich ist. Johnson & Johnson gehört genau in diese Kategorie. Der Name taucht seit Generationen in Badezimmern, Arztpraxen, Kliniken und Apotheken auf. Doch am Anfang stand kein globaler Gesundheitsriese, sondern eine ebenso einfache wie kraftvolle Idee: Wunden sauberer versorgen und medizinische Produkte verlässlicher machen. Aus diesem praktischen Ansatz wurde ein Unternehmen, das die Gesundheitsbranche über viele Jahrzehnte mitgeprägt hat.

Drei Brüder, ein Zugfenster und ein kluger Moment
Gegründet wurde Johnson & Johnson 1886 in New Brunswick im US-Bundesstaat New Jersey von Robert Wood Johnson, James Wood Johnson und Edward Mead Johnson. Der Auftakt hat fast filmische Qualitäten. James Wood Johnson entdeckte bei einer Zugfahrt ein Fabrikgebäude mit einem „for rent“-Schild. Genau dort nahm die Geschichte des Unternehmens ihren Anfang. Die erste Fabrik startete mit nur 14 Beschäftigten. Inspiriert von den antiseptischen Methoden des Chirurgen Joseph Lister wollten die Brüder sterile chirurgische Produkte im größeren Stil herstellen. Was heute selbstverständlich klingt, war damals ein echter Fortschritt.
Vom Verbandskasten bis zum Pflasterklassiker
Früh wurde klar, dass Johnson & Johnson nicht nur Produkte herstellen, sondern den medizinischen Alltag vereinfachen wollte. Schon die ersten kommerziellen Erste-Hilfe-Sets passten gut in diese Richtung. Ein besonders einprägsames Kapitel begann 1920 mit Earle Dickson. Der Mitarbeiter tüftelte eine praktische Wundauflage für seine Frau Josephine aus, die sich beim Kochen häufig verletzte. Daraus entstand BAND-AID, eines der bekanntesten Pflaster der Welt. Aus einem Hersteller steriler Klinikprodukte wurde nach und nach auch ein Name, den Millionen Menschen aus dem ganz normalen Leben kannten.
Das Credo und die Krise, die alles prüfte
Zur Geschichte des Konzerns gehört nicht nur Erfindergeist, sondern auch ein Moment, in dem sich zeigen musste, wie ernst das Unternehmen seine eigenen Werte nimmt. 1943 formulierte Robert Wood Johnson das berühmte Credo, das die Verantwortung gegenüber Patienten und Kunden an erste Stelle setzt. Wie prägend dieser Gedanke wurde, zeigte sich 1982 bei der Manipulation von Tylenol, das heute zum abgespaltenen Consumer-Health-Unternehmen Kenvue gehört. Nach mehreren Todesfällen durch vergiftete Kapseln reagierte Johnson & Johnson unter CEO James Burke mit einem großen Rückruf von 31 Millionen Packungen im Wert von über 100 Millionen Dollar. Die Sicherheit der Patienten stand bedingungslos über dem Profit. Gerade diese Episode gilt bis heute als Musterfall dafür, wie ein Unternehmen in einer Krise Verantwortung übernehmen kann.
Heute aus New Brunswick in die moderne Medizin
Bis heute sitzt Johnson & Johnson in New Brunswick. Das Unternehmen konzentriert sich inzwischen auf Innovative Medicine und MedTech. Für Anleger ist der Konzern vor allem deshalb interessant, weil seine Geschichte größer ist als einzelne Marken. Johnson & Johnson steht für Erfindungsgeist, Krisenfestigkeit und eine erstaunlich lange gewachsene Präsenz im Gesundheitssektor. Genau diese Mischung macht den Namen bis heute so einprägsam.

