Amgen macht die Natur zum genialen Baumeister

Wie aus einem kleinen Projekt ein Branchenname wurde

Biotechnologie klingt erst einmal nicht nach Stoff für eine große Unternehmensgeschichte. Eher nach Labor, Pipetten und schwer verständlichen Fachbegriffen. Bei Amgen steckt dahinter jedoch eine erstaunlich griffige Aufstiegserzählung. Aus einem kleinen Unternehmen in Kalifornien wurde einer der Namen, die die moderne Biotechbranche mitgeprägt haben. Gerade das macht Amgen für ein Börsenportrait interessant. Die Firma steht nicht für ein einziges spektakuläres Produkt, sondern für die Idee, dass Forschung aus lebenden Zellen einmal eine ganze Industrie hervorbringen könnte.

Amgen im Aktienblog

Ein Kürzel, ein Trailer und große Pläne für die Zukunft

Die Geschichte beginnt am 8. April 1980 in Thousand Oaks, Kalifornien. Damals wird das Unternehmen unter dem Namen Applied Molecular Genetics gegründet, kurz AMGen. Hinter dem Start stehen der Investor Bill Bowes und seine Mitstreiter, zum ersten prägenden Kopf wird George Rathmann, der erste CEO. Der Anfang ist alles andere als glamourös. Mit nur wenigen Beschäftigten zieht Amgen in ein geteiltes Gebäude ein, Rathmann arbeitet zeitweise sogar aus einem kleinen Trailer, damit die Wissenschaftler mehr Platz haben. Es ist ein Start, der viel besser zu einer Tüftlergeschichte passt als zu einem späteren Biotechriesen.

Erst viele Ideen, dann der Weg in die moderne Medizin

Besonders interessant ist, dass Amgen anfangs keineswegs nur Arzneimittel im Blick hatte. In den ersten Jahren experimentierten die Forscher mit erstaunlich unterschiedlichen Ideen. Es ging unter anderem um Organismen zur Ölgewinnung aus Schiefer, schneller wachsende Hühner, den Leuchtstoff der Glühwürmchen und ein Verfahren, mit dem sich Indigo in E. coli herstellen ließ. Erst nach dieser Suchbewegung wurde klar, wohin die Reise wirklich gehen sollte. Nicht zu Farben oder Spezialchemie, sondern zur Behandlung schwerer Krankheiten. Gerade diese frühe Umwegphase macht die Geschichte so menschlich. Auch ein späterer Branchenpionier musste erst seinen eigentlichen Weg finden.

Der entscheidende Durchbruch aus dem Labor in den Markt

Der große Wendepunkt kam mit der Forschung an Erythropoietin und G-CSF. Ein Team um Fu-Kuen Lin klonte das Erythropoietin-Gen und legte damit die Grundlage für EPOGEN, ein Medikament zur Unterstützung der Bildung roter Blutkörperchen. Kurz darauf folgte mit NEUPOGEN der nächste prägende Name, ein Wirkstoff, der die Bildung bestimmter weißer Blutkörperchen anregt. Spätestens hier war aus dem jungen Unternehmen mehr geworden als ein spannendes Experiment. Amgen zeigte, dass Biotechnologie nicht nur ein großes Versprechen war, sondern ein Geschäftsmodell mit wissenschaftlicher Substanz. Dass das Unternehmen 1983 seinen Namen offiziell zu Amgen verkürzte, passt im Rückblick fast symbolisch zu diesem Schritt vom Suchenden zum klar erkennbaren Biotechplayer.

Heute aus Thousand Oaks in die Welt der großen Biopharmafirmen

Heute sitzt Amgen noch immer in Thousand Oaks. Das Unternehmen ist also seiner Herkunft treu geblieben, auch wenn aus dem kleinen Anfang längst ein globaler Konzern geworden ist. Im Produktportfolio stehen heute Namen wie Prolia, Repatha, Otezla, ENBREL oder XGEVA. Für Börseneinsteiger ist Amgen deshalb ein einprägsames Portrait. Nicht laut, nicht verspielt, aber eine Firma, an der sich gut ablesen lässt, wie aus einer wissenschaftlichen Wette auf die Zukunft eine der prägenden Adressen der Biotechnologie wurde.